November 20, 2007

"Ich liebe dich, Krieg.

Ich liebe dich dafür, dass meine Jugend, mein Leben, mein Tod, mein Schmerz und meine Angst in dir sind. Dafür, dass du mich gelehrt hast, dass das dreckigste Leben immer noch tausendmal besser ist als der Tod. Dafür, dass bei dir Igor, Paschka, Mucha, Osipow noch lebten...Du bist meine erste Frau, meine erste Liebe. Viele Jahre sind vergangen, aber niemanden konnte ich so lieben wie dich. Mit achtzehn Jahren wurde ich als naiver Welpe in dich hineingeworfen, und ich bin in dir getötet worden. Und bin wiederauferstanden als hundertjähriger Greis, krank, mit leerem Blick und ausgebrannter Seele.
Du bist für immer in mir.
Du und ich, wir sind ein Ganzes. Nicht du und ich, sondern wir. Ich sehe dich mit deinen Augen, messe die Menschen an deinen Massstäben. Für mich ist immer Krieg.
Das erste Mal hast du mich noch lebend ausgespuckt, hast mich gehen lassen, aber ich konnte nicht allein, ich bin zurückgekehrt.
(...)
Ich werde den Ort aufsuchen, an dem ich die Läuse nährte, und den Hügel, wo meine Brüder, ein Geschenk von dir, gefallen sind, ich werde auf die Knie fallen, werde den von unserem Blut getränkten warmen, fruchtbaren Boden streicheln und sagen... was werde ich sagen?
Nichts einfach nur: Sei verflucht, Scheisskrieg! " Arkadi Babtschenko, aus:" Die Farbe des Krieges"

Liebe Antropsfy Blogheads,
Murat macht Party mit Pamela und Mat Gundo will Euch Perrücken verkaufen. Als Mensch mit deutschem Hintergrund möchte ich doch auf die essentielleren Dinge und Fragen des Lebens aufmerksam machen. Der Text ist ein Nachruf auf den letzten Sonntag, den Totensonntag wo alller Kriegsopfer gedacht wird. Ich möchte an meinen Freund Ivo aus Kroatien erinnern. Von Slivovitz durchtränkten Lichtkriegern wurde er befehligt damals bei der Schlacht um Dubrovnik, und strandete auf dem Sofa bei mir im Wohnzimmer. Nach vier Wochen Stille begann er zu sprechen, ungefähr waren es die Worte von oben. Nur einmal sprach er vom Krieg, dann nie wieder. Klar er war ein Fahnenflüchtiger, für mich ist Ivo ein Lichtkrieger, der den Erzengeln des nationalen Bewusstsein ala Green-little-River nicht gehorchte und mit michaelischer Kraft seinen ausgehungerten Augen wieder Licht zufügte, um mit positiven Blick dem Leben entgegen zu blicken.
Ich wünsche allen Männern, Frauen und Kinder, die vom Krieg verschluckt wurden und Wallhalla entronnen sind, dass sie den Mut des Erzengel Michaels aufbringen können, um dem Leben wieder neu zu vertrauen.
Wie nennen wir Krieg heute bewaffneten Konflikt, Kampf gegen den Terror, Kampf für mehr Demokratie, fallen Ihnen noch mehr solche Ausdrücke ein...a ja natürlich jetzt die anthroposophischen Salonnationalisten nennen es einen Lichtkrieg und Michaelskampf, wo das persönliche in etwas Höheres transzendiert wird. Wenn das Bein weg ist die Frau vergewaltigt wurde das Kind geschändet wurde in so einem Lichtkrieg redet keine Sau mehr vom Michaelskampf, das ist dann individuelles Karma. Bei solchen geistigen Ausflügen beginnen bei uns in Uribistan die Kamele an zu kotzen.
Herrmann Finkelsteen

Kommentare:

Annette hat gesagt…

Lieber Herr Finkelsteen,

freuen Sie sich doch über die Tchundyk- und Gundoschen Bestrebungen: sie sind friedfertiger Natur. Wenn nur alle Menschen so wären, dann gäbe es überhaupt keinen Krieg.

Da ich wieder unterwegs war, wollte ich mich erst morgen mit dem Totensonntag befassen, aber jetzt finde ich dieses schöne Rätsel. Die Frage übrigens, führt Krieg nun zum Guten, ist für mich noch intensiver zu bewerten und ich weiss dass ich hier einen sehr starken Bezug zu den Goys fühle, die mich von Kindheit an geprägt haben. Daher möchte ich gerade Walhall als Trost in guter Erinnerung behalten. Aber dazu noch später.

Freund Ivo aus Kroatien sagt mir etwas. Ich hoffe, dass Sie auch in Zukunft mit ihm in Verbindung stehen werden, Herrmann, denn Sie scheinen sich zu brauchen. Ja, warum musste Ivo in einen Krieg gejagt werden gegen Menschen, die er liebt? Viel klüger ist doch, dafür zu sorgen, dass es niemals mehr Krieg geben muss.

In der Tat denke ich an all die Menschen die den Mut aufbringen für die Wahrheit zu sprechen. Der Mut Michaels ist es, der mich mit ihnen fühlen lässt und mich zum Handeln anspornt. Hier möchte ich doch unterstützen!!!

Vielen Dank, lieber Herrmann für diesen engagierten Beitrag!

Anonym hat gesagt…

Danke fürs Erinnern an Babtschenko!
Denken wir auch an Politkowskaja!

Es gibt auch vernünftige anthrop. Positionen: Flensburger Reise nach Afghanistan, das Hauschka Rosenprojekt in Afghanistan z.B.

Försterliesel

Anonym hat gesagt…

...und Goys aktueller post zum Iran! Laßt die Jüngeren ran!
Liesel

Anonym hat gesagt…

(nicht wiedersprechen, liebe Annette. Du kommst nur in Loyalitätskonflikte.)

Annette hat gesagt…

So, da bin ich wieder und hab was Neues mitgebracht:

http://meinearche.blogspot.com/2007/11/zur-erinnerung-nochmal-die-themenseite.html

Christoph hat gesagt…

H.F.: ... Ivo ein Lichtkrieger, der den Erzengeln des nationalen Bewusstsein ala Green-little-River nicht gehorchte und mit michaelischer Kraft seinen ausgehungerten Augen wieder Licht zufügte, um mit positiven Blick dem Leben entgegen zu blicken.

Letzteres ist durchaus im Sinne der Erzengel à la S. G.! Die Gegensetzung "Gronbach = schmutziger Krieg" und "michaelische Kraft = Frieden", die du nahe legst, lieber Herrmann, ist unverschämt.

Wie nennen wir Krieg ... a ja natürlich jetzt die anthroposophischen Salonnationalisten nennen es einen Lichtkrieg und Michaelskampf...

Hast du Sebastian wirklich so verstanden? Könnte es nicht sein, das Sebastians Lichtkrieger gerade in Friedenszeiten kämpfen, damit wir weiterhin so gemütlich bloggen können?

Annette hat gesagt…

Danke, lieber Christoph.

Dazu fällt mir noch etwas ein. Eigentlich bin ich nur Musikliebhaber. Darf ich mich jetzt noch politisch korrekt nennen und mich an meiner Opernmusik erfreuen?

Der DECCA Ring, die erste vollständige Aufnahme des Ring des Nibelungen, war ein Meilenstein der Geschichte der Grammophonaufnahmen. Ein Prunkstück meiner CD Sammlung!

Wissen Sie eigentlich, dass der Ring heute sogar wieder in Israel aufgeführt werden darf? Und wer waren bitte diejenigen, die unseren guten Ruf wiederhergestellt haben indem sie unsere gute Musik mitgestalteten? Menuhin, Barenboim und wie sie alle heissen.

Sicher klingt all das mit bei mir als erklärten Fan von Muratsongs, denn Murat bringt ja Religion und Musik ganz leicht unter einen Hut, wie wir wissen. Ich als Frau singe auch sehr gerne übrigens.

Anonym hat gesagt…

Werter Herr Christoph,

"Könnte es nicht sein, das Sebastians Lichtkrieger gerade in Friedenszeiten kämpfen"
Wer sind denn die?

Vermutlich ist Herr Finkelsteen des Deutschen nicht mehr so mächtig und meinte nicht "Salonnationalisten" sondern Salonnarzissen. :)

hlg Waldorf

Herrmann Finkelsteen hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Ambassador,
ich bin sehr glücklich darüber, dass wir nicht einer Meinung sind. Ich habe nie behauptet, dass Gronbach gleich schmutziger Krieg bedeuten. Wer aber von Krieg redet, darf die Farbe des Krieges nicht mit allzu viel Licht verschleiern, dass wiederum finde ich unverschämt. In meinem Leben bin ich zuvielen gestrandeten Soldaten begegnet, als dass ich die Position von Herrn Gronbach so stehen lassen kann. Ich finde es gefährlich religiöse-spirituelle Symbole mit tagespolitischen Meinungen und Reflexen zu vermischen. Allein das war meine Absicht mit der obigen Post zum Ausdruck zu bringen. Dank geht an Herrn Gronbach, dass ich mir noch mal meiner eigenen Position zu Krieg und Religiösem bewusst geworden bin und dass ich unter keinen Umständen Herrn Gronbach`s kiegerische - religiöse Gedankengänge für nur im Ansatz überlegenswert finden kann. Ich habe keinen einzigen Soldaten getroffen, der mir erzählen konnte für was er eigentlich gekämpft hat.
Es ging letztendlich nur darum den eigenen Arsch zu retten und wenn man überlebt hat, zu schauen wieder ins Leben zurück zu finden ohne ein Sozialfall zu werden. Entschuldigen Sie Herr Ambassador wenn Sie das als unverschämt empfinden, aber ich kann nicht anders und das bin ich den Soldaten ( mein Onkel Emil, Russlandfeldzug, Harel, israelischer Panzerfahrer im Libanon, Ivo Infanterie der kroatischen Armee, Isuf aus Bosnien, Gatti, Sechstagekrieger aus Israel, Raymond südafrikanischer Freiheitskrieger u.sw.)denen ich in meinem bisherigen Leben begegnet bin schuldig. Ich hoffe auf etwas Verständnis Ihrer Seite Herr Ambassador.
Herrmann Finkelsteen

Annette hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Finkelsteen,

ich kann Sie wohl sehr gut verstehen. Licht bedeutet hier allerdings zu erkennen dass Krieg eben nicht gleich Krieg ist.

Das Krieg Scheisse ist, diese Ansicht teilen wir vollkommen. Er zielt auf Unschuldige ab.

Und ich hoffe sehr auf Menschen, die so sind wie Sie, und die Spiel und Rede, Demokratie und Friede lieber haben als Krieg. Damit Friedenszeiten nun endgültig gesichert werden können, und nie wieder Menschen so leiden müssen wie sie es im Krieg tun. Gut, lassen Sie uns lieber darüber reden, wie man Frieden bewerkstelligen kann.

Ja, wir sind es den von Ihnen genannten Personen, und allen Menschen, schuldig! Wer wenn nicht wir, sollte ein Beispiel für den Frieden geben?

Christoph hat gesagt…

H. F.: In meinem Leben bin ich zuvielen gestrandeten Soldaten begegnet, als dass ich die Position von Herrn Gronbach so stehen lassen kann. (...)
Entschuldigen Sie (...) aber ich kann nicht anders und das bin ich den Soldaten denen ich in meinem bisherigen Leben begegnet bin schuldig.


Hättest du den Beitrag "A Tribute to..." genannt, wäre die Sache gleich klarer gewesen.

Christoph hat gesagt…

Herr Waldorf zu Lichtkriegern: Wer sind denn die?

Das sind du, lieber Herr Waldorf, und ich. Wenn wir wollen.