August 11, 2011

England brennt....aber schon lange


Herr Cameron Premierminister eilte nun schnell vom Tennisspielen in der Toskana nach London, um der Polizei alle erdenklichen Waffen und Gesetzesfreiheiten zu geben, damit die Unruhen in England gestoppt werden. Die Demokratie wird verteidigt. Viel ist zu lesen von sozialer Ungerechtigkeit und von der Schere, die im Königreich auseinanderklafft zwischen Arm und Reich. Eigentlich fing alles früher an nicht mit Herrn Cameron, vielleicht waren es die Unruhen in den Achtzigern, als die Minenarbeiter in Schottland und Nordengland auf Geheiss der neuen Tory Regierung unter Thatcher niedergeknüppelt wurden, damit die Gewerkschaften endlich nichts mehr zu sagen hatten, so dass die Privatisierung des Landes voranschreiten konnte, unter anderem wurden Wasser, was eigentlich nur den Udinen und Wassergeistern gehört, privatisiert. Das beschert vor allem dem Süden Englands LOADS OF MONEY. Stimmbezirke wurden dort im Machtzentrum der Tories halbiert und im Norden Englands verdoppelt, so dass der Turbokapitalismus von Thatcher über mehrere Amtszeiten durchgezogen werden konnte. Aber schon vor drei Jahren vor der blutigen Zerschlagung der englischen Gewerkschaften 1981 wurden die Unruhen in Brixton ( siehe oben erstes Video)polizeilich mit dem netten Bobby, wie wir ihn aus den Schulbüchern kennen, geregelt. Frau Thatcher machte keine halben Sachen, in Grossbritannien nicht, auf den Falkland Inseln nicht und auch nicht beim ersten Golfkrieg, wo sie zumindest bei der aktiven Vorbereitung aktiv mit dabei war. Und nun kommen die Unruhen in England völlig aus dem Nichts? Es hat eine lange Vorgeschichte. Ralf Dahrendorf kritisierte damals die Thatcherregierung schwer, dass sie die urenglische Tugend der englischen Demokratie des politischen Dialogs und Konsens einfach missachtete und im Namen der Demokratie für Recht und Ordnung sorgte. Cameron schickt sich an das Erbe Thatchers weiter zu zelebrieren, ob es ihm gelingen wird sei dahingestellt. Es braucht in England nicht erst seit den Unruhen dieser Tage eine auf Dialog zwischen den Klassen und gerechte Verteilung der Gelder bedachte Politik. Es ging schon los in den frühen 80ern. Alle zeigen sich schockiert so etwas habe es noch nie gegeben reine Lust an der Gewalt sei da am Werke, so wurden alle Unruhen der letzten Dekaden dargestellt. Ich denke die Leute haben einfach die Schnauze gestrichen voll.
P.S. Hanif Kureishi Video erläutert Thatchers Politik ab der 4 ten Minute.
Herrmann Finkelsteen
P.S.S. Und als Schmankerl gibt es Clashs London`s Burning live.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Gewerkschaft der Public Services hat die Sparpolitik verurteilt und nicht die Plünderer,
die EU Gegner haben die Lohndrückerei durch immer neue Arbeitsmigration verurteilt, beide den Neoliberalismus. Und als Manifest rhapsodisch romantischer Rebellion (typisch französisch) wird überall dies gepostet:
http://linksunten.indymedia.org/node/22964
Aber was haltet Ihr eigentlich von den netten Leuten die riot-cleanup gemacht haben und jenen die einfach weiter mit den rioters und denen die ihnen ihren kleinen Laden angezündet haben werden leben müssen, Tür an Tür? Der beste Text über soziale Heuchelei ist mM immer noch in Tom Wolfes Bonfire zu lesen.
Liesel

Hermann Finkelsteen hat gesagt…

Liebe Liesel!
Ganz bestimmt war es nicht meine Absicht hier romantisch auf Revolution mit Fahnen schwingenden barbüsigen Französinen zu machen. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es in England immer wieder Riots gab, wo sich arme Menschen vom Kapitalismus regelrecht links liegengelassen wurden gewehrt haben. Und es hies immer man weiss nicht woher es kam und es waren immer nur ein paar Radaumacher. Assad argumentiert genauso. Wenn Du Dir den Film über Brixton Riots anschaust wirst Du bei vielen Rioter hören, dass sie erschrocken waren über das was sie angerichtet haben. Ich habe lange zeit im England der 80er Jahre gelebt und ich bin nie ohne Messer in diese Stadtteile gegangen, wo es jetzt brennt nein da hast Du recht es ist nicht lustig wenn Du nachts aufwachst und ein Vermummter räumt Dir Deine Bude aus während ein Anderer die Knarre Dir unter die Nase hält, es ist kein Zuckerschlecken mit lauter Junkies und gewaltbereiten Anarchisten zu leben, aber das war ein Produkt des Turbokapitalismus, für den Thatcher und die Konservativen vrantwortlich waren. Blair hat das Ganze nur etwas rosangestrichen weitergeführt. Wenn jetzt alle so tun und sagen so was haben wir noch nie erlebt ist es einfach gelogen. Selbst die Konservativen in Deutschland rüffeln EON für Massenentlassungen. In England hat der FREIE MARKT das Alles von selber geregelt und jeder ist halt seines Glückes Schmied wie Dick Whittington der mit einer Katze zum König kommt und als reicher Mann zu seiner Frau zurückkehrt.
Liebe Liesel das hat nichts mit einem Manifest rhapsodischer romantischer Rebellion zu tun. Beileibe nicht und England galt all die Jahrzehnten als nettes Hobbitland irgendwo draussen in der Nordsee wo Monty Python und die Beatles herkommen, aber es wie in den USA es gibt Abermillionen die in bitterer Armut leben und deren Regierungen teure Krieg irgendwo führen, die Raumkapseln in den Weltraum schicken, um dann bekanntzugeben, dass auf dem Asteroid 0815 Rubinnucleinsäure in einem Staubpartikel gefunden wurde, was daraufhinweist, dass es Leben auf dem Planeten vor 5 Millionen Jahren gab. Zieh Dir das mal rein Liesel, während Leute 2 - 3 Jobs machen müssen um einigermassen über die Runden zu kommen. Convertin human soirit into energy so that the economy is boosting!
Aber ich versteh Dich schon jetzt schreien alle soziale Reformen u.s.w. zum Teil hast Du Recht, ich habe immer noch nicht den Spendenscheck weggeschickt an die sterbenden Babies am Horn von Afrika.
Herrmann Finkelsteen

barbara2 hat gesagt…

in der faz steht, dass da menschen, die in der dritten generation ohne arbeit sind, randalieren. es wird vermutet, dass dahinter steht: es ist ihnen egal, sie haben eh nix zu verlieren

Hermann Finkelsteen hat gesagt…

Liebe Barbara!
Ich habe gesehen wie jetzt ein Video durch die Nachrichten geistert, wie einem malayischen Radfahrer von den Randalierern geholfen wird, weil sie ihn im Eifer des Gefechtes niedergerannt haben und wie er bei der Hilfsaktion auch noch ausgeraubt wird. Ja der Mob ist los, es gibt nix mehr zu verlieren und das macht Angst. Ein Regierungssprecher des syrischen Regimes beklagt, dass die Engländer von Mob reden dürfen sie aber in Syrien nicht. Es macht einen sprachlos.
herrmann finkelsteen

Anonym hat gesagt…

ÜBRIGENS IN lORRET DEL mAR IN sPANIEN IST AUCH DER mOB LOS, ABER DAS WAREN ANSCHEINEND NUR BETRUNKENE fRANZOSEN NACH EINEM dISCOBESUCH.
mESUT

Anonym hat gesagt…

lieber Hermann,
weil ich nicht mehr jung bin, kenne ich das Thatcher UK, die Geschichten von den erfrorenen Mindestrentnern und wie das beste europäische Gesundheitssystem der Nachkriegszeit demoliert wurde, auch über die Veränderungen in der city und das britische Geschäftsleben hab ich gelesen und damals gab es schon tube-Stationen die man als Frau meiden mußte, homeless die in Wagenburgen lebten und verzweifelte Uni-Absolventen ohne irgendeine Arbeitschance. An den riots ist das Unpolitische, Spontane rein momentan Reaktive das Neue, flashmob eben, in Paris war es genauso. Soziologisch faßt das am ehesten Axel Honneth (Arbeit, Liebe, Anerkennung). Aber ich weiß wie hart asiatische Einwandererfamilien arbeiten und sie vor allem waren Opfer der riots und tun mir am meisten leid..
Liesel